Kohlenmonoxid-Atemtest

Nebst dem Fachwissen für eine adäquate Beratung und den geeigneten Dokumentations-Unterlagen, ist das Kohlenmonoxid-Atemtestgerät eine wertvolle Ergänzung in der Beratungstätigkeit.

Kohlenmonoxid (CO) ist ein unsichtbares und geruchloses Gas, das im Blut den Sauerstoff verdrängt, so dass den Organen weniger Sauerstoff zur Verfügung steht. Es kann mit einem einfach zu handhabenden Atemtestgerät in der Ausatmungsluft nachgewiesen und sichtbar gemacht werden.

Nutzen und Anwendungsbereich der CO-Messung

Raucher können oft nicht richtig einschätzen, wie tief sie den Tabakrauch inhalieren. Die CO-Messung erlaubt eine Aussage darüber, wie stark jemand raucht und ob der Rauch inhaliert wird.

Die Kohlenmonoxid-Messung ist in der Raucherberatung ein wichtiges Instrument:

  • zur Abklärung des Rauchverhaltens,
  • zur Einschätzung des Bedarfs an nikotinhaltigen Medikamenten,
  • zur Dokumentation des Rauchstoppverlaufs,
  • zur Motivation der Patienten und
  • zur Validierung des Rauchstatus' bei Untersuchungen und Studien.
  • Die Kohlenmonoxid-Messung eignet sich auch in der Öffentlichkeitsarbeit, z.B. bei Events wie Tag der offenen Tür, Welttag ohne Tabak (31. Mai) oder anderen Auftritten.
Legende: Verlauf der Konzentration CO-Hb (%) und des Nikotin-Plasmaspiegels (ng/ml) während 24 Std. Mit der Zahl der täglich gerauchten Zigaretten steigt auch der CO-Gehalt im Blut.

Vorteile der Messung

  • Nicht-invasiv
  • Sofortiges Resultat – kann in Beratung einfliessen
  • Messbare Veränderung schon kurze Zeit nach dem Rauchstopp
  • Gibt Anhaltspunkte zur Rauchgewohnheit und zum Grad der Abhängigkeit
  • Dokumentiert den Erfolg beim Rauchstopp
  • Keine technischen Kenntnisse nötig
  • Kostengünstige Geräte
  • Kompakt, portabel, hygienisch
  • Zur Validierung des Rauchstatus' in Studien

Anleitung zur Benutzung des Atemtestgerätes

  • Die Messung kann frühestens 10 Minuten nach der zuletzt gerauchten Zigarette erfolgen
  • Die Testperson muss 15 Sekunden lang die Luft anhalten. Das Gerät zählt sichtbar von 15 auf 0.
  • Das Mundstück (Kartonröhrchen) mit dem ganzen Mund umfassen.
  • Ohne neu Luft zu holen die angehaltene Luft ruhig durch das Kartonröhrchen ins Gerät blasen. Wichtig: vollständig ausatmen! Letzte Luftreste richtig auspressen.

Die Interpretation des Resultats

Das Atemtestgerät zeigt den Kohlenmonoxidwert in ppm (parts per million) an. Je nach Gerät wird im Display auch der %-Wert angezeigt. Dieser Wert gibt an, um wie viel Prozent die Sauerstoff-Transportkapazität im Blut eingeschränkt ist. Der Wert wird auch CO-Hb genannt.

Der Grenzwert, der erlaubt, Raucher von Nicht-Rauchern zu unterscheiden, liegt bei 8 ppm. Personen mit einem Wert ab 9 ppm sind also als Raucher einzustufen.

Achtung: Bei Patienten mit COPD liegt dieser Wert höher, bedingt durch die eingeschränkte Lungenfunktion. Patienten mit COPD sind ab ca. 12 ppm als Raucher einzustufen. Personen mit ausgeprägter COPD können evtl. Mühe haben, den CO-Test korrekt durchzuführen. Die Werte bei diesen Patienten können also stark variieren.

Beim Raucher liegt der Wert kaum unter 10 und selten über 50 ppm. Messungen, die einen Wert von über 35 ppm innerhalb einer Stunde nach dem Rauchen ergeben, lassen darauf schliessen, dass es sich um einen starken bis sehr starken Raucher handelt.

Tiefere Werte bedeuten nicht zwingend kleinere Risiken. Die Beschaffenheit und Anfälligkeit der Herz/Kreislauf- und Atemwege/Lungenorgane sind individuell verschieden.

0 - 3 ppm Hier handelt es sich um eine Person, die zumindest in den letzten 24 Stunden nicht geraucht hat.
3 - 10 ppm Dies ist ein Grenzbereich, der erreicht werden kann indem man:
  • sehr wenig raucht
  • die letzte Zigarette länger (6 – 9 Std.) zurück liegt
  • die Person sich in einem verrauchten Raum aufgehalten hat (Passivrauch)
  • die Person Kohlenmonoxid in der Umgebungsluft ausgesetzt war (Grillieren, Strassenverkehr, Belagsarbeiten...)
  • die Person unter Asthma oder COPD leidet
10 - 20 ppm Leichter Raucher; diese Werte finden sich bei Gelegenheitsrauchern, oder wenn die letzte Zigarette schon ein paar Stunden zurück liegt
21 - 50 ppm Starker bis sehr starker Raucher
Über 50 ppm Werte von > 50 ppm werden eher selten gemessen, kommen aber bei sehr starken Rauchern, bei inhaliertem Zigarren- und Pfeifenrauchen und beim Joint rauchen vor.

Elimination des Kohlenmonoxids

CO wird über die Atmung eliminiert, die Geschwindigkeit hängt von der pulmonalen Ventilationsrate ab. Die Halbwertszeit beträgt zwischen 3 und 6 Stunden, je nach Person und Umständen.

Beim Schlafen verlangsamt sich der Abbau des Kohlenmonoxids. Die Halbwertszeit beträgt beim Schlafen 4 – 8 Stunden, was die teilweise hohen Werte am Morgen erklärt.

Nach höchstens 24 Stunden wird in der Ausatmungsluft der Wert eines Nichtrauchers erreicht, der in der gleichen Umgebung lebt. Das Kohlenmonoxid ist mit dem Gerät nicht mehr feststellbar.

Kohlenmonoxidbelastung bei verschiedenen Tabakprodukten

  • Zigarre: Ein Gramm abgebrannten Tabaks produziert bei einer Zigarre zwischen 39 und 65 mg Kohlenmonoxid, verglichen mit maximal 19 mg bei Zigarettentabak. Dieser Unterschied ist v.a. darauf zurück zu führen, dass das Zigarettenpapier porös ist und der Tabak daher besser abbrennt als bei einer Zigarre. Beim Zigarren rauchen unterscheidet man generell zwischen primären und sekundären Rauchern: primäre Zigarrenraucher sind Personen, die nie andere Tabakwaren geraucht haben und den Rauch nicht inhalieren – unbeabsichtigtes Inhalieren kann aber trotzdem vorkommen. Sekundäre Raucher sind Personen, die auch Zigaretten rauchen oder geraucht haben und den Rauch inhalieren; Personen, die angeben, Zigarren (oder Pfeifen) willentlich zu inhalieren, erreichen die höchsten CO-Hb-Werte. Das CO-Hb variiert also bei Zigarrenrauchern wesentlich: Bei primären Zigarrenrauchern wurden 1.8 - 2.1 % CO-Hb in der Ausatmungsluft gemessen, bei sekundären Rauchern 3.3 - 11.0 % CO-Hb.
  • Pfeife: Auch bei Pfeiferauchern wird zwischen primären und sekundären Rauchern unterschieden, also solchen, die inhalieren und solchen, die nicht inhalieren. Messungen bei Pfeiferauchern ergaben CO-Hb-Werte von 1.3 % bei primären Rauchern und bis zu 5.4 % bei sekundären Rauchern.
  • Cannabis: Der Cannabiskonsum ergibt verglichen mit der Zigarette etwa 5-fach erhöhte CO-Messwerte. Dies ist auf das tiefere Einatmen sowie das längere Atemanhalten zurück zu führen.
  • Wasserpfeife: Beim Rauchen der Wasserpfeife werden erheblich höhere Mengen an Kohlenmonoxid eingeatmet als bei einer Zigarette. In einer Untersuchung wurde bei Probanden im Durchschnitt 42 ppm (Variation: 24 – 58 ppm) gemessen. Das hängt natürlich einerseits damit zusammen, dass beim Wasserpfeife rauchen viel mehr Rauch inhaliert wird. Andererseits wird der durch das Wasser gekühlte (aber nicht gefilterte!) Rauch tiefer inhaliert. Zudem erhöht die zum Abbrennen nötige Kohle den Kohlenmonoxid-Gehalt des Rauches.
  • Light und Mild-Zigaretten: Obwohl diese Bezeichnungen auf dem Markt nicht mehr zugelassen sind, gibt es natürlich weiterhin Zigaretten mit tiefem Nikotinwert. Entgegen dem, was man gemeinhin annehmen könnte, verzeichnen Raucher von solchen Zigaretten tendenziell höhere CO-Werte. Dies ist darauf zurück zu führen, dass nikotinreduzierte Zigaretten tiefer inhaliert werden, damit der Nikotinhunger trotzdem befriedigt werden kann. Die Zusatzstoffe in diesen Zigaretten erlauben zudem eine tiefe Inhalation ohne zu Kratzen und Husten.

Geräte

In der Schweiz können CO-Atemluftgeräte bei der Firma medi-lan AG in Steinhausen bezogen werden Opens external link in current windowwww.medi-lan.ch (home) oder direkt zur Opens external link in current windowProdukteseite . Weitere Informationen finden Sie auch direkt beim Gerätehersteller unter www.bedfont.com.

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Referenzen

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Haustein KO, Tabakrauchen oder Gesundheit, Ein Ratgeber für Schüler und Eltern. Fritz-Lickint-Instituts für Nikotinforschung und Raucherentwöhnung