Gewichtszunahme

Gesunde Menschen tendieren mit zunehmendem Alter zur Gewichtszunahme, auch Raucher. Rauchen ist keine Garantie, schlank zu bleiben. Die Mehrheit der Personen, die mit dem Rauchen aufhören, nimmt an Gewicht zu.

Rauchen und Gewicht

Rauchen, bzw. das Nikotin, bewirkt eine erhöhte Dopamin- und Serotonin-Ausschüttung. Beide Neurotransmitter wirken als Appetitzügler (v.a. für Süsses), so dass Raucher einerseits eher weniger Kalorien zu sich nehmen als Nichtraucher. Andererseits erhöht Nikotin auch den Grundumsatz, d.h. Raucher verbrennen 4 – 16 % mehr Kalorien als Nichtraucher. So haben Raucher im Durchschnitt ein 3 - 5 % tieferes Körpergewicht als Nichtraucher.

Es gibt aber auch, in steigendem Masse, übergewichtige Raucher. Übergewichtige Raucher machen weniger Rauchstoppversuche und haben öfter Rückfälle. Sie tendieren auch zu grösserer Gewichtszunahme bei einem Rauchstopp. Starke Raucher haben eine ungünstige Fettverteilung, nämlich vermehrt viszerales Fett, oder die sog. "Apfel-Form".

COPD-Patienten sind oft unter- und mangelernährt, bis zur sog. "pulmonalen Kachexie". In ihrem Fall ist eine Gewichtszunahme sogar erwünscht.

Rauchstopp und Gewichtszunahme

Die Mehrheit der Personen, die mit dem Rauchen aufhören, nimmt an Gewicht zu, im Durchschnitt 4 bis 5 kg (4.7 kg). Die Spannweite der Gewichtszunahme ist jedoch breit:

• 16 % nehmen ab
• 37 % nehmen weniger als 5 kg zu
• 34 % nehmen 5 -10 kg zu
• 13 % nehmen mehr als 10 kg zu

Die Gewichtszunahme tritt nach der akuten Phase der Rauchentwöhnung, also nach 2-4 Wochen, ein.

Der Ex-Raucher müsste über 50 Kilos zunehmen, um ein mit dem Zigarettenrauchen vergleichbares Gesundheitsrisiko zu schaffen.

Die Gründe liegen einerseits darin, dass nach einem Rauchstopp der Kalorienbedarf abnimmt (s. oben), andererseits gehört vermehrter Appetit zu den Nikotin-Entzugssymptomen. Der grösste Teil der Gewichtszunahme (69 %) ist mit einer erhöhten Kalorienzufuhr zu erklären.

Geschlechtsspezifische Gewichtszunahme

Frauen rauchen häufiger als Männer um ihr Gewicht zu kontrollieren und geben häufiger an, sie würden nach dem Rauchstopp keine Gewichtszunahme tolerieren. Dies ist wohl auch einer der Gründe, weshalb Frauen weniger oft Rauchstoppversuche machen. Durchschnittlich gewinnen Frauen mehr an Gewicht als Männer.

Therapie-Empfehlung

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, der Gewichtszunahme entgegen zu wirken:

  • die Kalorienzufuhr reduzieren;
  • mehr Kalorien verbrennen, d.h. vermehrte Bewegung und Sport;
  • Medikamente zum Rauchstopp einsetzen: Nikotinhaltige Medikamente, (speziell die Kaugummi 4 mg und die Lutsch- und Sublingualtabletten (Microtab) 2 mg), scheinen die Gewichtszunahme nach dem Rauchstopp wirksam zu verzögern, wenn sie in genügend hoher Dosis benutzt werden. Bupropion (Zyban®) verzögert ebenfalls die Gewichtszunahme nach dem Rauchstopp. Nachdem diese Medikamente jedoch abgesetzt werden, nehmen die Ex-Raucher im Schnitt das gleiche Gewicht zu, das sie ohne medikamentöse Einnahme zugenommen hätten.
  • Ernährungsberatung, Coaching, Verhaltenstherapie.

Fazit

Die mögliche Gewichtszunahme sollte kein Grund sein, weiter zu rauchen, denn die Risiken des Rauchens überwiegen bei weitem die Risiken leichten Übergewichts. Die Angst vor dem Zunehmen ist oft schlimmer, als die eigentliche Gewichtszunahme.

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