Impfstoffe

Impfungen sind als medikamentöse Therapiemöglichkeit zum Rauchstopp konzipiert, um Rückfälle nach einem Rauchstopp zu vermeiden. Diese Impfungen sollen nicht etwa den Einstieg ins Rauchen verhindern.

Mit einer Impfung soll verhindert werden, dass das Nikotin die Blut-Hirn-Schranke durchbricht und die Nikotinrezeptoren im Gehirn erreicht. Durch die Verbindung Antigen (Nikotin) – Antikörper wäre das Nikotin bereits ausserhalb des Gehirns "geblockt",  es könnte nicht mehr ins Gehirn gelangen und die Übertragung bestimmter Neurotransmitter nicht mehr begünstigen.

Das Prinzip

Bei Tabakkonsum werden offensichtlich keine Antikörper gegen das Nikotin erzeugt, da das Nikotin-Molekül zu klein ist, um das Immunsystem zur Herstellung von neutralisierenden Antikörpern anzuregen. Ist das Nikotinmolekül im Rahmen einer Proteinstruktur an ein grosses immunogenes Teilchen gebunden, wird die Produktion von Antikörpern möglich. Virale, nicht infektiöse Partikel vom Typ VLP ("virus like particles") werden dazu benutzt. Diese VLPs sind nicht toxisch und bewirken eine starke Immunreaktion vom Typ IgG (nicht vom Typ IgE). In die VLPs eingeführten Epitope können eine Reaktion der B-Zellen hervorrufen.

Forschung

Bisher wurden bereits Untersuchungsergebnisse der Phase I und II veröffentlicht. 2005 wurde im CHUV (Universitätsspital Lausanne) eine Phase II-Studie mit 341 Rauchern durchgeführt. Ca. 60 % der Geimpften blieben während mindestens sechs Monaten rauchabstinent. 42 % der Geimpften mit hohem Antikörper-Titer waren auch nach 12 Monaten rauchfrei, verglichen zu 21% in der Placebogruppe. Zur Zeit läuft eine placebo-kontrollierte Studie in Schweden bei 400 schweren Rauchern mit dem Impfstoff Niccine®, der am Karolinska Institute in Stockholm (Schweden) entwickelt wurde. In England wurde ein Anti-Cotinin-Impfstoff entwickelt, der die Wirkung einer Nikotin-Ersatztherapie erhöhen soll. Vorläufig wird keine Markteinführung für Impfstoffe erwartet.

Referenzen

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