Bupropion (Zyban®)

Seit dem Jahr 2000 ist Bupropion (oder Amphebutamon), das am besten dokumentierte nicht-nikotinhaltige Medikament zur Unterstützung der Tabakentwöhnung, in der Schweiz unter dem Markennamen Zyban® erhältlich.
Die Substanz wurde ursprünglich als Antidepressivum entwickelt und ist auch unter dem Namen Wellbutrin® XR zur Behandlung von depressiven Episoden registriert.

Wirkungsmechanismus

Bupropion ist ein Amphetamin-Abkömmling, nahe dem MDMA (Ecstasy) und dem Appetitzügler Amfepramon  (Regenon®). Sein Wirkungsmechanismus umfasst wahrscheinlich die neuronale Wiederaufnahmehemmung von Noradrenalin und Dopamin und die Blockade von nikotinischen Acetylcholinrezeptoren.

Wirksamkeit

Die Wirksamkeit von Bupropion zur Tabakentwöhnung stützt sich auf 40 randomisierte Studien (Stand 2007), in denen Bupropion über mindestens 6 Monate mit Placebo oder anderen Medikamenten verglichen wurde. Die Chance, länger als sechs (und wahrscheinlich auch 12) Monate abstinent zu bleiben, lässt sich mit der Einnahme von Bupropion etwa verdoppeln. Somit ist Bupropion etwa ähnlich wirksam wie Nikotin-Ersatzpräparate.

Eine Kombination von Bupropion mit Nikotin-Ersatztherapie (Nicorette, Nicotinell) ist möglich. Sie verbessert die Erfolgsrate nach einem Jahr aber nicht sehr wesentlich (23 vs. 28 % Abstinenzrate nach 52 Wochen).

Nebenwirkungen, Kontraindikationen

Bupropion unterscheidet sich in seinen unerwünschten Wirkungen von anderen Antidepressiva. Zwar handelt sich bei den häufigsten Nebenwirkungen auch um Schlafstörungen (bei über 40% der Behandelten), trockenen Mund (10%) und Übelkeit. Häufiger als bei anderen Antidepressiva scheinen allergische Reaktionen vorzukommen, vor allen an der Haut. Bupropion kann zudem zerebrale Krampfanfälle auslösen, weshalb die Verabreichung an Epileptiker sowie an Patienten mit Bulimie oder Anorexia nervosa als kontraindiziert gilt. Bei Überdosierung steigt das Risiko für Krampfanfälle stark. Als Katecholamin-Wiederaufnahmehemmer kann Bupropion zum Anstieg von Blutdruck und Herzfrequenz führen. Zu beachten ist ferner das Potential für Interaktionen: Bupropion hemmt das CYP 2D6, was bei einer gleichzeitigen Einnahme mit bestimmten Betablockern, Antidepressiva und Neuroleptika sowie Tramadol zu erhöhten Spiegeln führen kann. Die gleichzeitige Verabreichung von Zyban® und Monoaminooxidase-Hemmern (MAO-Hemmern) ist kontraindiziert. Zwischen dem Ende einer Behandlung mit irreversiblen MAO-Hemmern und dem Beginn der Behandlung mit Zyban® sollten mindestens 14 Tage vergehen. Bei reversiblen MAO-Hemmern (Moclobemid) ist ein Zeitraum von 24 Stunden ausreichend.

Dosierungsempfehlung

Empfohlen wird eine Behandlungsdauer von sieben Wochen. Die Initialdosis beträgt 1 Tablette (150 mg) pro Tag während 6 Tagen, danach sollen 2 Tabletten täglich mit einem Intervall von mindestens 8 Stunden eingenommen werden. Spätestens in der zweiten Woche nach Behandlungsbeginn sollte mit dem Rauchen aufgehört werden. Falls die Schlafstörung ausgeprägt ist, kann die zweite Dosis auch am Nachmittag eingenommen werden aber mindestens 8 Stunden nach der ersten Dosis.

Die tägliche Maximaldosis von 300 mg darf nicht überschritten werden. Bupropion unterliegt verschärfter Rezeptpflicht (Liste A) und kann allenfalls mit Nikotin-Ersatzpräparaten kombiniert werden.

Patientenselektion

Die pharmakologische Unterstützung der Tabakentwöhnung richtet sich an die physische Abhängigkeit. Die verhaltensspezifischen und psychologischen Abhängigkeiten sind parallel zu behandeln. Bupropion kann folgenden Patienten empfohlen werden:
- bei starker bis sehr starker Nikotinabhängigkeit,
- bei  Kontraindikationen zu Nikotin-Ersatzpräparaten,
- bei Rückfall nach einer Rauchentwöhnung mit Nikotin-Ersatzpräparaten,
- bei einer Vorgeschichte von Depression
- wenn die Angst vor Gewichtzunahme im Vordergrund steht.

Fazit

Das Nutzen-Risiko-Verhältnis von Bupropion scheint aufgrund häufiger und schwerer unerwünschter Wirkungen (40 % Schlafstörungen, 0,1% Krampfanfälle) ungünstig, zumal es etwa gleich wirksam wie NET ist.

Referenzen

Hughes JR, Stead L, Lancaster T. Antidepressants for smoking cessation. Cochrane Database Syst Rev 2007

Ritzmann P. Antidepressiva zur Entwöhnung vom Rauchen. Pharma-kritik vom 9. März 2007 (Nr. 12/2006)

www.surgeongeneral.gov/tobacco/treating_tobacco_use08.pdf

Cornuz J, Humair JP, Zellweger JP. Tabakentwöhnung: 2. Teil: Empfehlungen für die tägliche Praxis. Schweiz Med Forum 2004;4:356–368